Mediterraner und alpiner Flair am Gardasee

23.05.2018 Der Gardasee mit seinem mediterranen und alpinen Flair war Ziel einer Wanderwoche des Schwarzwaldvereins Schwenningen mit 47 Teilnehmern.

 

Vom Hotel in Brenzone aus hatten sie Gelegenheit, die romantischen Städtchen, die Olivenhaine an der Ost- und die steilen Felswände an der Westküste, die erhabenen Zypressen und den tiefblauen See mit seinen kleinen Schaumkronen zu bewundern.

Limone, das als der schönste Ort am Ufer gilt, wurde mit der Fähre von Malcesine als erstes besucht,  und gleich waren die Besucher verzaubert von dem reizvollen alten Hafen und den romantischen Plätzen, die man fernab vom Touristenstrom entdecken kann. Obschon einst ein bedeutender Produzent der Zitronen,   hat der Ort seinen Namen nicht von den Limonen sondern vom „Limes“ – Grenze.  Schon im 13. Jahrhundert wurden Zitronen von der Genueser Seite am Gardasee eingeführt, ab  dem 17. Jahrhundert wurden die ersten

 

Zitronengewächshäuser gebaut. Eine Krankheit und starke Konkurrenz aus dem Süden machte den Anbau für die Bewohner schließlich unrentabel. Die Schwenninger  konnten sich über  nahezu 400 Jahre Zitronenanbau in der noch bestehenden „Limonaia del Castel“ informieren.

 

Als der wohl schönste Winkel des Gardasees gilt die „Punta San Vigilio“, ein weit in den See hineinragender Ausläufer des Monta Luppia. Ihn erklommen die Wanderer auf teils schmalen Pfaden durch dichte Macchia hindurch, ehe sie die fantastische Kulisse weit unten entdecken konnten. Der Weg führt hier an Felszeichnungen vorbei, die auf Gletscherschliffen zu unterschiedlichen Zeiten gefertigt wurden, teils gelten sie als prähistorisch, andere sollen erst im 19. Jahrhundert entstanden sein. Unten am See verzaubern eine imposant hohe Zypressenallee und die elegante Villa San Vigilio die Besucher, die schließlich noch dem benachbarten Städtchen Garda mit seinem historischen Kern und der langen Uferpromenade einen Besuch abstatteten.

 

Die Skaliger beherrschten im 13. Und 14. Jahrhundert das Ostufer des Gardasees,  und ihren Spuren begegnen Besucher allenthalben, vor allem in Sirmione und Malcesine, leicht zu erkennen an den  Schwalbenschwanzzinnen auf ihren Bauten. Vom Burgfried des Castello Skaligero in Malcesine aus hatten die Gäste einen wunderbaren Blick auf die erdfarbenen Dächer, das Seeufer und die umliegenden Berge, besonders den langgezogenen Monte Baldo, den Hausberg.  Sirmione verfügt ebenfalls über eine große Burg des  Adelsgeschlechtes und gilt als das teuerste Pflaster am Gardasee. Die gut erhaltene Burg zählt zu den imposantesten in Italien.  An die römische Vergangenheit erinnern die Grotten des Catull. 

Bestes Bergwetter hatten die Reisenden bei ihrer Auffahrt mit der Seilbahn auf den Monta Baldo auf 1790 Meter.  Aufziehender Nebel verzog sich alsbald, so dass sie über lange Zeit beste Sicht auf die umliegenden Berge und den Gardasee genießen konnten. Zahlreiche Gleitschirmflieger nutzten ebenfalls das gute Wetter für ihre Abenteuer. Seinem Namen als „Blumenberg“ machte der Monte Baldo alle Ehre, waren doch die umliegenden Wiesen übersät mit Enzian, Krokussen, Schlüsselblumen und anderen Frühjahrsblühern. Über ihre Vielzahl konnten die Besucher nur immer wieder staunen.

 

Mit der Wanderung zu dem verlassenen Dorf Campo verließen die Besucher die Touristenströme am Seeufer und stiegen durch Olivenhaine hinauf in einsamere Gegenden. Campo ist ausgestorben, nachdem keine Straße dorthin führte. Es verfügt aber über durchaus touristisch interessante Objekte: die mittelalterliche Kirche San Pietro mit ihrem umfangreichen Freskenschmuck und einer erhaltenen römischen Quellfassung.

Als ein Paradiesgarten mit Pflanzen aus aller Welt gilt der von André Heller gestaltete botanische Garten in Gardone, letzte Station in der Wanderwoche des Schwarzwaldvereins. Diese unglaubliche Vielfalt geht eine harmonische Verbindung mit den im Garten geschaffenen künstlichen Anlagen ein und wird durch zeitgenössische Skulpturen und überraschende Effekte bereichert. Es  finden sich Werke  von Künstlern wie Keith Haring, Roy Lichtenstein, Erwin Novak, Susanne Schmögner oder Rudolf Hirt.

 

Dass Italien reich ist an Kultur konnten die Reisenden an einem Abstecher auf der Rückfahrt erleben, der sie nach Bergamo führte und einen Blick in die unglaublich reich ausgestatteten Kirchen erlaubte. Mancher nahm sich vor, noch einmal hierher zu kommen.

Bild: Angelika Mey
Bild: Angelika Mey