Kulturfahrt nach Esslingen

15.01.2017 Die Kulturfahrten des Schwenninger Schwarzwaldvereins mit der Kunsthistorikerin Dr. Anja Rudolf zu Jahresbeginn sind beinahe schon Tradition geworden. In diesem Jahr war die Volkshochschule Schwarzwald-Baar mit von der Partie bei der Erkundung der an Sehenswürdigkeiten reichen Stadt Esslingen.

Die Burganlage mit dem Dicken Turm oberhalb der Stadt war Ausgangspunkt der Führung. Sie gilt als das Wahrzeichen und gehörte einst zur Stadtbefestigung.

Im Jahre 777 wurde Esslingen erstmals urkundlich erwähnt, das Marktrecht wurde bereits um 800 verliehen. Siedlungsspuren gibt es jedoch schon seit 1000 v. Chr. Ab dem 13. Jahrhundert haben die Staufer ihre Spuren in der "Reichslandstadt" hinterlassen.

Besonders auffallend im Stadtbild sind die grossen Kirchen Esslingens. So galt der Besuch der Gäste der Stadtkirche St. Dionys, während des 13. und 14. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut. Sie enthält etliche Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten. Beispiele sind die ungewöhnliche Doppelturmanlage, die berühmten Chorfenster, der gotische Lettner und die Orgel mit dem einmaligen Fernwerk. Im Untergeschoss der Kirche befindet sich das archäologische Museum. Dort werden die Funde der Ausgrabungen in den Jahren 1960 bis 1963 gezeigt.

Die Frauenkirche gilt als die Bürgerkirche der Stadt und soll die erste gotische Hallenkirche im Südwesten Deutschlands sein. Beinahe 200 Jahre wurde an ihr gebaut. Unter Mitwirkung der bekannten Baumeisterfamilien Ensinger und Böblinger war sie bis zum Jahre 1516 vollendet und besitzt einen 72 Meter hohen Turm. Bemerkenswert sind aussen die plastischen Darstellungen von Weltgericht und Marienleben in den Tympana auf der Südseite. Im Inneren befinden sich im Chor mittelalterliche Glasfenster (entstanden um 1330). Im Kirchenschiff wurden im 20. Jahrhundert Fenster von Hans Gottfried von Stockhausen eingebaut: südöstlich das Passionsfenster und nordöstlich das Frauenfenster.

1237 liessen sich die ersten Franziskaner in Esslingen nieder. Mit dem Bau der Franziskanerkirche (auch: Hintere Kirche) wurde um 1270 begonnen. Der steile Chor wurde um 1300 gebaut. Ursprünglich wurde die Kirche St.Mariae Krönung geweiht. Die prächtigen bunten Glasmalereien des Chors entstanden in den Jahren um 1320. Sie zeigen einen typologischen Bibelzyklus.

Esslingen ist neben Limburg an der Lahn und Göttingen eine Stadt, in der die ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands stehen und in der mittelalterlicher Wohnbau in grösserem Zusammenhang studiert werden kann. Die Heugasse 3 von 1262/63 und die Webergasse 7 von 1267 gelten als die bislang ältesten dendrochronologisch datierten Fachwerkhäuser Deutschlands.

So wurde nach der Mittagspause der Stadtspaziergang fortgesetzt, um dierse alten Bauwerke und die bestens erhaltenen Pfleghöfe zu bestaunen.

Fr. Dr. Rudolf ist es in all den Jahren gelungen, eine Fangemeinde für die Kulturfahrten des Schwarzwaldvereins um sich zu scharen. Die Teilnehmer sind schon gespannt, wo es wohl im nächsten Jahr hingehen wird.