Schwarzwaldverein unterwegs

auf dem Lahn-Dill-Bergland-Pfad

19.05.2016  Ein unberührter Landstrich mit reizvollen Heiden, grünen Wiesen, naturnahen Feldern und weiten Ausblicken wurde den Wanderern des Schwarzwaldvereins Schwenningen auf dem Lahn-Dill-Bergland-Pfad geboten.

 

Eine Wandergruppe war eben auf diesem Weitwanderweg zwischen Herborn und Marburg im hessischen Bergland unterwegs. Dabei bindet der Lahn-Dill-Bergland-Pfad alle Schönheiten dieser Region mit ein. Umweltfreundlich mit der Bahn angereist, stand zunächst eine Erkundung der Fachwerkstadt Herborn auf dem Programm. Besonders sehenswert sind der Marktplatz mit seinem Rathaus aus dem 17. Jahrhundert und auch die Hohe Schule, eine universitätsähnliche deutsche Hochschule, die von 1584 bis 1817 auf Betreiben der Herren von Nassau-Dillenburg zurückzuführen ist. 

 

In diesen Tagen wird es in Herborn jedoch deutlich umtriebiger zugehen, wenn ab dem 20. Mai zum 56. Hessentag mehrere hunderttausend Besucher erwartet werden.

 

Beschaulich ging es jedoch auf der Wanderung des Schwarzwaldvereins los, denn die Wanderer lieben die Natur, die schönen Wege und die tollen Ausblicke, die der Weg zu bieten hat. Von Herborn führte der Weg auf die Höhen des Gladenbacher Berglandes, entlang blühender Heckenlandschaften nach Bicken. Am nächsten Morgen strahlte die Sonne, wie die ganze Woche über und begleitete die Wanderer auf ihren Wegen. Im kleinen Ort Eisemroth wanderten die Teilnehmer auf der ehemaligen Bahntrasse der Aar-Salzböde-Bahn, die hier bis 2001 betrieben wurde. Sie war einst für eine bessere Anbindung der Montanindustrie im Lahn-Dill-Gebiet gedacht, um eine besser Anlieferung von Erzen, Roheisen und Kohlen und umgekehrt den Versand von Produkte der Gießereien kostengünstiger abwickeln zu können. Mit dem Niedergang dieser Industrie fielen die wichtigen Güterkunden weg.

 

Auf den Höhen des Berglandes scheinen auch günstige Verhältnisse für Windkraftanlagen zu bestehen, denn zahlreiche solcher neuester Anlagen sind hier bereits in Betrieb, wie sie nun auch im Schwarzwald gebaut werden sollen. Dass die Region jedoch sehr vom Pulsschlag abgehängt worden zu sein scheint, wird im Kurort Bad Endbach deutlich. In der wohl einst florierenden Stadt verringerten sich die Gästezahlen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich. Mit der 2009 eröffneten attraktiven Lahn-Dill-Bergland-Therme soll dem jedoch entgegen gewirkt werden. 

 

Der folgende Wandertag brachte den Schwarzwäldern Höhepunkte wie den 15 Meter hohen Aussichtsturm auf der Erdhäuser Koppe, der 1971 errichtet wurde. Ein umfassender Blick über den Kellerwald und zum Vogelsberg und dem Taunus bot sich hier.

 

Erstaunt waren die Teilnehmer auch von der Burgruine Blankenstein bei Gladenbach, die Herzogin Sophie von Brabant zunächst zerstören und später wieder aufbauen ließ. Denn hier wurde dem aus seiner Heimat vertriebenen Ullrich von Württemberg von 1526 bis 1534 Asyl gewährt.

 

Oberhalb der kleinen Ortschaft Rachelshausen erfuhr man Wissenswertes über den Abbau von Diabas, einem Gestein vulkanischen Ursprungs, der hier vor allem für die Herstellung von Pflastersteinen verwendet wurde. Der mittlerweile unter Naturdenkmal stehende Steinbruch dient heute dem Uhu als Brutplatz.

 

Weiterer Höhepunkt der Wanderwoche war sicherlich auch der Aussichtsturm auf dem Rimberg. Mit 497 Metern Höhe ist der Rimberg der höchste der so genannten Damhäuser Kuppen und stellt den äußersten Ausläufer des Gladenbacher Berglandes dar.

 

Als Wanderziel führte der Weg schließlich gemütlich von der Dammühle über die Höhen zum Landgrafenschloss zu Marburg. Hier gründete der Marburger Landgraf Philipp der Großmütige im Jahre 1527 die erste protestantische Universtität der Welt, mit heute über 26000 Studenten in Medizin, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.

 

Bei einer Stadtführung lernte man die zahlreichen historischen Gebäude und ihre Geschichte kennen. Der sicherlich bedeutendste Bau in Marburg ist die Elisabethkirche, die vom Deutschen Orden zu Ehren der heiligen Elisabeth von Thüringen gebaut wurde. Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist der erste rein gotische Kirchbau in Deutschland. Neben der Elisabethkirche und dem Landgrafenschloss ist das Rathaus ein Wahrzeichen der Stadt, dass seit über 450 Jahren am Marktplatz den Mittelpunkt des Lebens in Marburg ist. Der Renaissance-Giebel ziert ein blecherner Hahn, der zu jeder vollen Stunde seine Flügel hebt und kräht.