Wanderreise nach Ligurien – Dem Land, wo sich Berge und Meer begegnen

23.05.2017 Sechsundvierzig unternehmungslustige Mitglieder und Freunde des Schwarzwaldvereins Schwenningen lernten auf einer abwechslungsreichen Reise die Ligurische Küste in der Provinz Imperia kennen. Vom direkt am Meer gelegenen Standquartier in Diano Marina fanden mehrere Ausflüge entlang der Küste und ins nahe Hinterland statt.

 

Sanremo, die Hauptstadt der Blumenriviera, liegt umrahmt von Hügeln des Monte Bignone. geschützt an einer weiten Bucht. In früheren Zeiten blühten an den Hängen dichte Orangen- und Zitronenhaine, bis sich die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts ganz der Blumenzucht verschrieb. Ganz in der Nähe findet noch heute täglich in einer riesigen Markthalle der größte Blumenmarkt Italiens statt. Der dem Meer entlang führende Wanderweg über die alte Eisenbahntrasse vermittelte eindrucksvoll die mediterrane Blumenvielfalt in den Gärten und Parkanlagen.  

 

Ziel eines kurzen Abstechers hinter die französische Grenze war die italienisch anmutende Stadt Menton. Geschützt durch die Ausläufer der Seealpen ist Menton auch im Winter der wärmste Ort an der französischen Côte d` Azur. Das Klima wurde bereits Ausgang des 19. Jahrhunderts von den Ärzten als heilungsfördernd bei Tuberkulose empfohlen. So wurde Menton zum beliebten Winterquartier für Engländer und Russen. Die klimatisch begünstigte Lage ließ im 19. Jahrhundert den Zitronenanbau zum wichtigsten Erwerbszweig werden. Heute ist die wirtschaftliche Bedeutung des immer noch traditionell betriebenen Anbaus allerdings gering. Das seit 1930 jährlich im Februar statt findende Zitronenfest, bei dem mehr als 1000 Tonnen Zitrusfrüchte für die Dekoration der Stadt und die Gestaltung der  Umzugswagen benötigt werden, erinnert noch heute an die einstige wirtschaftliche Bedeutung.

 

Über die Grenze, wieder zurück in Italien, war das im Hinterland gelegene Dolceaqua einen Besuch wert. Die mittelalterliche Ortschaft besticht durch den rustikalen Charme seiner Architektur. Die dunklen Dächer der oberen Altstadt zusammen mit den hellen Hausfassaden am Flussufer und dem alles überragenden Castello Doria prägen das Bild. Dolceaquas Wahrzeichen ist die 33 m weite Bogenbrücke Ponte Vecchio aus dem 15. Jahrhundert, die Claude Monet 1884 in einem Gemälde verewigte. Auf einer Rundwanderung über die Hügel des Nervia-Tales faszinierte die Aussicht auf das Städtchen und die Wildblumenpracht am Wegesrand, wie Spornblume, wilde Gladiole, Passionsblume, Thymian, Waldvögelein und andere.

Einzigartig in der Region besitzt Albenga mit den hoch aufragenden Geschlechtertürmen eine der schönsten Altstädte Liguriens. Die reichsten Familien hatten sich im 13. Jahrhundert aus Prestigegründen ihre Wohntürme errichten lassen und scheuten sich nicht, mit den Kirchtürmen der Stadt zu konkurrieren. Bei der Piazza San Michele, im Herzen der fast autofreien Altstadt, stehen auf engstem Raum die markantesten Bauwerke der Stadt beieinander, wie zum Beispiel die Kathedrale San Michele, das spätantike Baptisterium, das Rathaus und diverse Museen. Im Labyrinth der schmalen Gassen wartet hinter jeder Ecke eine Entdeckung: alte Reliefs an ehrwürdigen Hausfassaden, idyllische Blicke in Hinterhöfe und zahlreiche schmucke Geschäfte und Einkaufsläden. Vom Rande der Altstadt, den Centa-Fluss auf der elegant geschwungenen roten Brücke überquerend, führt ein Höhenwanderweg auf der Via Julia Augusta von Albenga nach Alassio. An römischen Ruinen mit einer Nekropole aus dem 1. Jahrhundert vorbei, bietet der Weg ein herrliches Panorama auf die Küste mit der Felseninsel Gallinara, im Mittelalter eine Klosterinsel der Benediktiner und heute ein streng geschütztes Naturschutzreservat in Privatbesitz.

 

Die Fahrt entlang der Küste ins benachbarte und von der italienischen Grenze nur 30 km entfernte französische Nizza war Ziel eines weiteren Ausflugs. Die wechselhafte Vergangenheit ließ in der Stadt Nizza ein reiches architektonisches Erbe zurück. Der Altstadtkern, sowie viele Villen, Paläste und Barockkirchen konnten im Wesentlichen erhalten werden. Ein gemütlicher Bummel bei herrlichem Sonnenschein über den Blumenmarkt und hin zur Strandpromenade rundete den Stadtrundgang ab. Anschließend stand der Besuch des Fürstentums Monaco auf dem Programm. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Geschichte des Staates Monaco eng mit der Familie Grimaldi verbunden, deren Mitglieder mit nur kurzen Unterbrechungen bis zum heutigen Tag die Herrschaft über Monaco ausüben. Eine Führung durch den fürstlichen Palast belegt dies eindrücklich bis in die jüngste Vergangenheit. Der mondäne Stadtstaat ist knapp 203 Hektar groß und weist die höchste Bevölkerungsdichte aller Staaten auf.

 

Ein besonderes Erlebnis vermittelte auch die Führung durch das einzigartige Olivenbaum-Museums der Familie Carli in der Küstenstadt Imperia. Die Sammlungen der zum Teil über 4.000 Jahre alten Exponate, sollen als eine Liebeserklärung an den Olivenbaum verstanden werden. Das modern gestaltete Museum erzählt die Geschichte des Olivenbaums, über Baumkunde, den Anbau und die Gaben des Olivenbaums, die Ölherstellung und den Handel. Dem Museumsgarten angeschlossen, befindet sich die moderne Produktionsstätte der Firma sowie ein Verkaufsgebäude mit kleinem Restaurant.

 

Mit vielen unvergesslichen Eindrücken und etwas Wehmut im Gepäck, kehrten die Teilnehmer wohlbehalten in die Heimat zurück.

Bilder: Elisabeth Schmollinger