Negative Auswirkungen durch neue Windkraftanlagen befürchtet

20.04.2016 Gegen die kleinräumige Planung von Windkrafträdern haben sich jetzt in einem Schreiben an die Landespolitik der Schwarzwaldverein, der Westweg-fonds und die Schwarzwald-Tourismus GmbH gewandt. Es werden negative Auswirkungen auf die zertifizierten Wanderwege wie den Westweg, als auch auf die regionalen Wanderwege und den Tourismus befürchtet.

Der Grund ist die zunehmende Ausweisung von Windkraftstandorten auf den Höhenzügen ins-besondere im mittleren Schwarzwald bei Hornberg und Lauterbach, sowie im Kinzigtal bis zum Gemeindedreieck Steinach, Biberach und Schuttertal.

Windkraftanlagen der neuen Generation mit Höhen von fast 200 Metern sind raumbedeutsame Einrichtungen und bei Installation in Kamm- und Gipfellagen über enorme Entfernungen sichtbar. 

Daher werden Wanderer, die jetzt im Frühjahr gerne die Täler und Höhen im mittleren Schwarzwald aufsuchen, eine veränderte Landschaft wahrnehmen: Am Horizont, der bislang von Schwarzwaldhöfen,  Wäldern und Weiden  gekennzeichnet war, stehen neuerdings Windräder oder werden solche gerade gebaut.

Ein Warnsignal für die Verbandsvertreter: „75 Prozent der Schwarzwald-Urlauber wandern“, betonte der Geschäftsführer der Schwarzwald-Tourismus GmbH, Christopher Krull, kürzlich in einer Pressekonferenz. Die meisten der Beherbergungsbetriebe lägen am Westweg, und dieses Potenzial dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Zudem stehen für den Schwarzwaldverein die ästhetischen Dimensionen des Naturschutzes und das Gebot der landschaftlichen Vielfalt, Eigenart und Schönheit gleichrangig neben den Zielen des Biotop- und Artenschutzes.

Auch  andere für den Tourismus wichtige Wander-wege im Schwarzwald seien betroffen, so der Mittelweg und der Querweg Lahr-Rottweil.  Die Anlagen, die sich auf mehreren Kilometern entlang der Bergkämme reihen, beeinträchtigten und verminderten die Qualität der Wanderwege erheblich. In dem Schreiben wird auf einen „teilweise straßenähnlichen Ausbau der Waldwege, auch durch Asphaltierungen“, hingewiesen, was die Zertifizierung der Wanderwege gefährden würde. Wanderer lieben nun einmal keine asphaltierten Wege.

Der Schwarzwaldverein fordert, dass ein Ausbau der Windkraft zumindest ohne Beeinträchtigung der Wanderwege erfolgt und erwartet von den zukünftigen Betreibern, geeignete technische Maßnahmen zu ergreifen, die eine Sperrung einzelner Abschnitte überflüssig machen.

Stattdessen werden während der teils mehrjährigen Bauzeit der Windkraftanlagen aufwändige Wanderwegumleitungen nötig, die beispielsweise von den Wegewarten des Schwarzwaldvereins ehrenamtlich durchgeführt werden müssen.

Im Ortenaukreis, so ein weiterer Hinweis, wurde vom Landratsamt den Wegbetreibern eine halbjährige Wintersperre wegen der Gefahren des Eisabwurfs auferlegt. Es wird befürchtet, dass diese Praxis, „die nach unserer Ansicht einem völlig übertriebenen Sicherheitsdenken entspringt“ auch in anderen Landkreisen zur Anwendung kommt.  Die Wintersperrung von Oktober bis Mitte April wollen die Beteiligten am Westwegfonds nicht hinnehmen, wird betont.

Die Unterzeichner fordern, dass „der Wind-kraftausbau auf den Höhen des Schwarzwaldes die Qualität der Wanderwege uns insbesondere des Westwegs und anderer Hauptwege nicht schmälern darf.“

Der Schwarzwaldverein hat 2012 ein Positionspapier zur Windenergie verfasst und auf die Problematik hingewiesen, die sich durch „die kleinräumige Planung der Kommunen“ ergibt. Damals wurde eine Ausweisung von „Vorranggebieten für Landschaft, Erholung und Tourismus“ gefordert. Präsident Georg Keller befürwortet die Energiewende. Der Windkraftausbau müsse jedoch auch die erbrachten Leistungen und das Potenzial des Wandertourismus sowie insbesondere auch den Natur- und Artenschutz berücksichtigen.

Der Schwarzwaldverein fordert, dass ein Ausbau der Windkraft zumindest ohne Beeinträchtigung der Wanderwege erfolgt und erwartet von den Betreibern, geeignete technische Maßnahmen zu ergreifen, die eine Sperrung einzelner Abschnitte überflüssig machen. Christopher Krull von der Schwarzwald-Tourismus GmbH ergänzt: „Wenn schon das Landschaftsbild durch die Windkraft beeinträchtigt wird, darf nicht auch noch der Wandertourismus durch Wegsperrungen geschädigt werden.“ Man sei ausdrücklich bereit, an Lösungen mitzuarbeiten, die drohenden Wintersperrungen zu verhindern.

Transport der riesigen Bauteile auf die Bergkämme, Bild: badenova AG & Co. KG
Transport der riesigen Bauteile auf die Bergkämme, Bild: badenova AG & Co. KG